Mein Kind hört mir nicht zu
Oft haben die Eltern den Eindruck, dass ihr Kind "schlecht hört" - "alles muss ich ihm/ihr dreimal sagen" - sie gehen zum HNO-Arzt, dieser erstellt ein Audiogramm und bestätigt dann meistens ein gutes Hörvermögen, d. h., das Ohr ist gesund, die Schallaufnahme (das periphere Hören) ist in Ordnung. Was geschieht aber mit dem vom Ohr aufgenommenen Schallereignis?
Wir hören nicht nur mit den Ohren
Die Schallwelle wird über den Gehörgang zum Trommelfell geleitet und versetzt das Trommelfell in Vibration. Diese Vibration wird über die Gehörknöchelchenkette weiter in die Schnecke im Innenohr geleitet. Die in der Schnecke entstehende Wanderwelle wird in der Schnecke frequenzabhängig ausgeleitet und in Nervenimpulse umgewandelt. Diese Nervenimpulse wandern danach auf der Hörnervenbahn über 4 bis 6 Zwischenschaltstellen zum Sprachzentrum. Wenn nun die eine oder andere Zwischenschaltstelle nicht so gut mitarbeitet, tritt ein Effekt wie beim "Stille-Post-Spiel" auf: Es kommt auf der anderen Seite etwas anderes an, als vorher losgeschickt wurde.
Die Beeinträchtigung dieser neuronalen Weiterverarbeitung wird als zentrale Fehlhörigkeit bezeichnet und ist in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt.
Mein Kind ist leicht ablenkbar und kann sich nicht konzentrieren
Wenn die Nebengeräusche vom Kind viel lauter empfunden werden (Selektionsschwäche), nimmt es z. B. die Stimme des Lehrers viel schlechter wahr und muss sich viel mehr anstrengen, um am Unterricht aufmerksam teilnehmen zu können. Dadurch verbraucht es mehr Energie und benötigt viel mehr Erholungspausen. Das Kind schaltet dann entweder ab, oder wird unruhig und zappelig.

Glossar
Klinischer Optometrist
Legasthenie
Legasthenie - Definition gemäß ICD-10
Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
Lese-Rechtschreibschwäche schon in der Schultüte?
Schriftsprache
Sehverarbeitung
Teilleistungsschwächen